IBM und die KI-Gespenster

IBM

Die Aktie von IBM hat seit Jahresanfang über 13 % eingebüßt. Die These der Zweifler ist dabei einfach: Künstliche Intelligenz modernisiert jetzt alte Speichersysteme im Alleingang und macht die hochbezahlten Berater von IBM überflüssig.

Doch ist das wirklich so? Als jemand, der im Rahmen eines Projekts selbst tief in der Batch-Entwicklung gesteckt hat, kann ich nur sagen: Aktuell unterschätzen die Marktteilnehmer die Realität in den Rechenzentren gewaltig. 

Es herrscht ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie die über Jahrzehnte gewachsenen Kernsysteme in Großkonzernen eigentlich funktionieren.

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Die Logik-Falle der alten Systeme

Wer schon einmal in den Eingeweiden eines Kernbankensystems oder einer Versicherungslösung gesteckt hat, weiß: Eine reine Syntax-Translation ist noch lange keine Modernisierung.

In 40 Jahre alten Systemen ist die Geschäftslogik oft untrennbar mit der Infrastruktur verwoben. Ich kenne das aus meiner eigenen Praxis: Früher wurde kaum dokumentiert. Der Code von damals ähnelt oft einer Verschlüsselung. Zum Teil wurde er absichtlich so geschrieben, um Abhängigkeiten zu schaffen.

Eine KI kann zwar diesen Code ohne Probleme lesen und umschreiben, versteht aber nicht die regulatorischen Implikationen oder die historischen Sonderregeln, die nirgendwo auf Papier stehen.

Strategischer Hebel: Plattform statt Werkzeug

Darüber hinaus wird sich IBM mittel- bis langfristig so oder so auf andere Cashcows fokussieren müssen, denn die klassische Batch-Programmierung ist ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten.

Die neuen Ertragsbringer heißen Hybrid-Cloud-Lösungen. Mit WatsonX als zusätzlicher KI-Ebene schafft IBM hier ein hybrides Modell, das weit über das reine Mainframe-Geschäft hinausgeht. Es ist die Kombination aus Infrastruktur und Intelligenz, die das Profil langfristig verändert.

Und WatsonX ist darauf ausgelegt, genau diese KI-Modelle in einer sicheren Umgebung zu steuern. IBM bietet also die Infrastruktur, auf der Werkzeuge wie Claude ihre Arbeit überhaupt erst verrichten können.

Für Großkonzerne gilt: Wenn die KI bei der Zinsberechnung oder Rentenauszahlung halluziniert, haftet Anthropic nicht. Unternehmen brauchen einen Partner wie IBM, der für die Validierung, die Compliance und den stabilen Betrieb gerade steht. Hier herrscht Null-Fehler-Toleranz.

Effizienz-Turbo für Senior-Berater

Statt die Berater zu ersetzen, passiert etwas anderes. KI wird zum massiven Margenhebel. Die erfahrenen Leute bekommen jetzt Werkzeuge an die Hand, die das Entziffern des alten Codes beschleunigen.

Sie müssen sich nicht mehr mit der mühsamen Suche nach Fehlern in undokumentierten Zeilen aufhalten. Sie fokussieren sich stattdessen auf das Wesentliche: die strategische Neuausrichtung der IT-Architektur.

Rücksetzer als Einstiegschance

Ich bleibe für IBM bullisch. Für Einsteiger eröffnen sich nach diesem Rücksetzer nun wieder deutlich günstigere Chancen, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das wie kaum ein anderes die Brücke zwischen der alten Systemwelt und der neuen KI-Infrastruktur schlägt.

Die Aktie von Meta befindet sich sowohl in unser Wachstumsdepot mit einem Kursplus von 120 % als auch in unserem Cashflow-Depot (+65%)Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Hinweis auf Interessenskonflikte: Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens: IBM. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Autor, Herausgeber oder Mitarbeiter beabsichtigen, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern, und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren. 

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