Microsoft: Warum ich die Schwäche genutzt habe
An der Börse werden selbst die besten Unternehmen nicht dauerhaft geschont. Bei Microsoft sehen wir das aktuell sehr deutlich. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten erheblich an Boden verloren. Die Stimmung ist spürbar abgekühlt.
Der Markt stört sich vor allem an drei Punkten. Erstens investiert Microsoft massiv in neue KI-Infrastruktur. Das drückt kurzfristig auf die Margen. Zweitens verläuft die Monetarisierung von Copilot aus Sicht vieler Anleger noch nicht schnell genug. Drittens wächst die Sorge, dass der Wettbewerb im KI-Markt härter wird und die Erwartungen an Microsoft zuletzt zu hoch waren.
Diese Mischung aus Investitionsangst, Bewertungsdruck und enttäuschter Euphorie hat das Sentiment deutlich belastet. Doch schauen wir uns die einzelnen Punkte genauer an.

Operativ läuft es deutlich besser, als der Markt es gerade einpreist
Microsoft verzeichnete zuletzt einen Rückgang der Bruttomarge um 2 % auf 67 % und führte dies auf die hohen KI-Investitionen und die steigende Nutzung der KI-Produkte zurück. Das hört sich jedoch viel dramatischer an, als es tatsächlich ist. Denn Microsoft baut gerade die Infrastruktur für den nächsten Technologieschub auf und finanziert das aus einer Position operativer Stärke heraus.
So wurde im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 der Umsatz im Jahresvergleich um 12 % auf 69,6 Mrd. USD gesteigert. Der Nettogewinn legte um 10 % auf 24,1 Mrd. USD zu.
Noch wichtiger ist für mich der Blick auf die Qualität dieses Wachstums. Das Segment Intelligent Cloud wuchs um 29 % auf 32,9 Mrd. USD, während Azure und andere Cloud-Dienste sogar um 39 % zulegten. Laut aktuellen Prognosen könnte Microsoft bereits 2026 allein mit Azure die magische Marke von 100 Mrd. Umsatz knacken.
Hinzu kommt der aktuelle Auftragsbestand von knapp 370 Mrd. USD. Microsoft wächst nicht nur, Microsoft wächst mit einer enormen Planbarkeit.
Gerade im Unternehmenskundengeschäft ist das ein gewaltiger Vorteil. Wiederkehrende Erlöse, Vertragsbindung und die tiefe Integration in bestehende IT-Strukturen reduzieren die konjunkturellen Schwankungen.

Das Ökosystem macht die Investmentthese so stark
Dabei gehört Microsoft für mich zu den wenigen Konzernen, die KI nicht nur als Schlagwort verkaufen, sondern direkt in bestehende Ertragsmodelle einbauen. Microsoft 365 Copilot wird im Enterprise-Bereich weiterhin mit 30 USD pro Nutzer und Monat bepreist. Parallel dazu gibt es mit Copilot Chat eine niedrigschwellige Variante innerhalb berechtigter Microsoft-365-Abos.
Das ist strategisch klug. Microsoft erhöht damit den Wert bestehender Softwarepakete und schafft zugleich neue Erlösquellen in der Cloud.
Noch wichtiger ist für mich das Gesamtbild. Microsoft sitzt mit Windows, Microsoft 365, Azure, Dynamics, LinkedIn und GitHub an mehreren entscheidenden Punkten der digitalen Wertschöpfung. Diese Verankerung im Unternehmensalltag lässt sich kaum mit einer einzelnen Kennzahl erfassen.
Firmen nutzen nicht nur ein Produkt von Microsoft. Sie arbeiten auf einer ganzen Plattform. Daraus entstehen hohe Wechselkosten, Preissetzungsmacht und eine bemerkenswerte Robustheit.
GitHub zeigt zusätzlich, wie stark Microsoft auch im Entwickler-Ökosystem positioniert ist. Laut Octoverse kam 2025 im Schnitt jede Sekunde ein neuer Entwickler hinzu. Das unterstreicht, wie tief Microsoft auch in der nächsten Softwaregeneration verankert bleibt.
Die Risiken sind eingepreist
Naturgemäß gibt es auch Risiken. Microsoft investiert derzeit sehr aggressiv in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur. Die Rendite auf diese Ausgaben muss sich in den kommenden Jahren erst noch zeigen. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb mit AWS, Google und neuen KI-Plattformen intensiv.
Aus meiner Sicht sind diese Faktoren im aktuellen Kurs jedoch bereits weitgehend berücksichtigt. Microsoft wird derzeit nur noch mit dem rund 20-fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Für ein Unternehmen dieser Qualität ist das kein überzogenes Niveau.
Der Markt fokussiert sich derzeit zu stark auf die Kosten des KI-Ausbaus und blendet dabei aus, wie außergewöhnlich stark das operative Fundament ist. Gerade für uns Cashflow-Investoren ist das ein entscheidendes Argument.
Die Kapitalrückflüsse an Aktionäre bleiben hoch. Im zweiten Quartal 2026 wurden erneut 12,7 Mrd. USD über Dividenden und Rückkäufe an Aktionäre zurückgegeben. Microsoft verfügt zudem über die finanzielle Stärke, diese Investitionsphase ohne Belastung der Bilanz zu tragen.
Dieses Bild wird auch durch unseren CP-Analyzer gestützt, der Microsoft aktuell mit 83 von 100 möglichen Punkten bewertet.
Kaufen, wenn die Kanonen donnern
Microsoft wird aktuell nicht verkauft, weil das Geschäftsmodell bröckelt. Die Aktie wird verkauft, weil der Markt ungeduldig geworden ist. Ich halte diese Ungeduld bei einem Unternehmen dieser Qualität für eine Chance.
Und komme deshalb zu einer klaren Einschätzung: Microsoft bleibt für mich auf dem aktuellen Niveau ein Kauf.
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Dieser Beitrag hat einen Kommentar
Interessante Darlegungen, Emil. Ich glaube auch, dass Microsoft insgesamt nicht gefährdet ist und gute Chancen hat, langfristig weiter zu den Gewinnern zu zählen, aber der disruptive Impact von KI auf Microsofts unterschiedliche Sparten ist für mich aktuell noch nicht wirklich zu greifen.
Daher folge ich dir (noch?) nicht über die Brücke, dass die Risiken bereits vollständig im Kurs eingepreist seien. Denn ob das Geschäftsmodell in Teilen bröckelt, wird sich erst noch zeigen. Die Zahlen zum ersten Quartal werden dafür erste Indizien liefern, das zweite Quartal dann bestimmt schon recht aufschlussreich.
Ich denke, in den nächsten Wochen läuft einem der Kurs nicht davon und man hat einige Zeit, die Entwicklung zu beobachten und sich die Karten zu legen…