Volkswagen hat nach der einstimmigen Zustimmung des Aufsichtsrats zum Sparpaket deutlich zugelegt, die Vorzugsaktie konnte am Freitag mit dem Sprung über die 82-Euro-Marke einige Verluste der letzten Monate wiedergutmachen. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 22,1% zu Buche. 2027 wird für VW ein entscheidendes Jahr. Was bedeutet das für Aktionäre?
Am Donnerstagabend stimmte der VW-Aufsichtsrat überraschend und einstimmig wesentlichen Teilen des Sanierungskonzepts zu, das Vorstandschef Oliver Blume und sein Team vorgelegt hatten. Diese Entscheidung beendet die wochenlangen Konflikte und verhindert eine weitere Zuspitzung zwischen dem Vorstand, dem Land Niedersachsen als wichtigstem Anteilseigner und der Arbeitnehmervertretung.
Stimmen aus dem Markt
Der Autobauer will in den kommenden Jahren weitere 50.000 Mitarbeiter entlassen, die Zahl seiner Modelle zusammenstreichen sowie weniger Firmenbeteiligungen halten. Die Kapazitätsanpassungen laufen über mehrere Jahre (bis ca. 2030 für die 50.000 Jobs). Wenn Kostensenkungen und der klare Umbaupfad funktionieren, können der anvisierte Stellenabbau und höhere Effizienz in der Stamm-Marke, bestenfalls „den Tod aufschieben“, so ein Frankfurter Aktienhändler, der den Wert schwächer sieht.
Deutsche Bank-Research-Analyst Tim Rokossa spricht von einem „grundlegenden Durchbruch“ mit einem weitaus besseren Ergebnis als befürchtet. Die Probleme würden nun zwar nicht über Nacht gelöst, aber das größte Anliegen werde jetzt angegangen.
Der Autoanalyst der UBS bewertete die Einigung als „ausdrücklich positiv“. Das Management habe seine Ziele im Wesentlichen durchsetzen können. Gut sei auch, dass alles rascher vollzogen worden sei als erwartet.
Wettbewerbssituation bleibt schwierig
VW bleibt auf unsicherer Fahrt. Kürzlich musste der Nordamerika CEO ausgetauscht werden. Der Absatz in China hat 2025 einen Rückgang um 48% verzeichnet. Ein herber Schlag. Der Anteil von New-Energy-Vehicles, den sog. NEV: Elektro, Plug-in-Hybride, Range Extender) am gesamten VW-Absatz in China lag damit nur bei etwa fünf Prozent, während der chinesische Gesamtmarkt bereits bei über 50% Elektro- und Hybridanteil steht.
Die Konkurrenten BYD, Xiaomi, Nio oder XPeng bieten modernere Software, fortschrittliche Assistenzsysteme und besser vernetzte Infotainment-Lösungen. Das zeigt deutlich, dass VW als Qualitätsmarke seinen Nimbus in Asien verloren hat.
Während chinesische Hersteller neue Modelle in nur 18 Monaten auf den Markt bringen, bleibt Volkswagen im Hintertreffen durch längere Entwicklungszeiten und weniger Features. Das macht es den Deutschen schwer, auf schnelle Marktveränderungen zu reagieren.
Für die europäischen Automobilhersteller resultiert der Druck aus einer toxischen Kombination aus chinesischen Überkapazitäten, Preisnachlässen und steigenden Exporten.
Kennzahlen
- Umsatzprognose 2027: 330,36 Mrd. EUR
- Gewinn je Aktie Prognose 2027: 23,54 EUR (vor Kostensenkungsprogramm)
- Gemäß Analystenschätzungen wird das EBITDA 2026 auf 36,71 Mrd.EUR und 2027 auf 39,30 Mrd. EUR prognostiziert
- Operative Marge (EBIT) soll 2026 zwischen 4,0 und 5,5% liegen; im ersten Halbjahr 2026 betrug sie 3,8%
Einordnung für die Anleger
Seit Jahren hat der Konzern wie ein dröger, schlafender Dino den Umbau bis zur letzten Minute hinausgezögert. Der Ansatz in Zukunft weniger Modelle anzubieten und kostenmäßig zu verschlanken mögen Bausteine für die teilweise Erholung des Geschäfts sein, es bleibt die Erkenntnis: als VW-Aktionär muss man weiterhin viel Geduld mitbringen.
Cashflow Profi meidet die VW-Aktie. Cashflow Profi bevorzugt im Autosegment die Aktie des E-Auto-Pioniers Tesla, der wegen seiner Vorreiterrolle bei Robotertechnologien und der Führerschaft bei mobilen Lösungen (Verknüpfung Autonomes Fahren und Künstlicher Intelligenz) überzeugt.