Wall Street tritt auf der Stelle: Anthropic IPO kann 2 Billionen Bewertung bringen

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An den US-Aktienmärkten standen die Leitindizes am 29. September unter spürbarem Druck anziehender Anleiherenditen. Während der Dow Jones und der S&P 500 moderate Verluste verbuchten, hielt sich der technologiegeprägte Nasdaq Composite dank robuster Halbleiterwerte stabiler.

Der Gesamtmarkt werde weiterhin von robustem Wirtschaftswachstum und steigenden KI‑Investitionen getragen, so die Einschätzung bei Wells Fargo, das eine neue Studie vorlegte. Für den S&P 500 Index gibt das Finanzinstitut einen Zielkorridor von 8.600 bis 8.800 Punkten für das Jahr 2027 an. Die Gewinnerwartungen für 2027 deuten auf ein Wachstum von rund 13,8 % im Jahresvergleich hin.

Divergenz an der Wall Street: Nasdaq widersteht steigenden Renditen

Der Dow Jones Industrial Average sank um 0,5 % auf 51.205 Punkte, während der marktbreite S&P 500 um 0,3 % auf 7.660 Zähler nachgab. Treibende Kraft hinter den Kursabschlägen war die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die auf 5,28 % kletterte.

Der Nasdaq Composite begrenzte sein Minus auf rund 0,1 % bei einem Stand von 26.793 Punkten. Dämpfend auf zyklische Werte wirkte zudem das US-Verbrauchervertrauen des Conference Board, das für September auf 81,9 Punkte zurückging.

Gewinner und Verlierer an der Nasdaq: Halbleiter vorn, Zykliker unter Druck

Zu den stärksten Gewinnern an der Technologiebörse zählten Papiere aus der Halbleiterindustrie. Die Anteilsscheine von ARM Holdings legten um über 5 % zu, während Cerebras Systems um mehr als 7 % und Applied Materials um 3,3 % stiegen.

Zusätzlichen Schub erhielt Advanced Micro Devices nach der Bekanntgabe einer 8,2 Mrd. USD schweren Übernahme des KI-Start-ups World Labs. Die Netflix-Aktie profitierte von einer Hochstufung durch die Deutsche Bank auf eine Kaufempfehlung.

Belastet wurden hingegen zyklische Branchen und Energietitel. Werte wie ExxonMobil litten unter den nachgebenden Rohölpreisen, während defensive Konsumgüteraktien ebenfalls Verkäufe verzeichneten.

KI und Cybersecurity: Neue Kooperationen treffen auf Analysten-Vorsicht

Im Bereich der künstlichen Intelligenz stützte eine Ankündigung von Nvidia die Marktstimmung. Der Chiphersteller beschloss eine Aufstockung seines Aktienrückkaufprogramms um 150 Mrd. USD.

Im Sicherheitssektor präsentierte CrowdStrike auf dem OpenAI DevDay eine Bereitstellung der Falcon-Plattform auf dem Marktplatz von OpenAI. Parallel dazu vertiefte Palo Alto Networks seine Zusammenarbeit mit Nvidia zur Absicherung autonomer KI-Agenten.

Dämpfend wirkte ein Branchenkommentar von Sanford Bernstein. Die Analysten stuften Palo Alto Networks, Okta und SentinelOne trotz angehobener Kursziele von „Outperform“ auf „Market Perform“ ab.

Die Stimmung im KI-Bereich wurde unter anderem durch die bekanntgewordenen Zahlen zu Anthropic bestimmt. Der angepeilte Börsengang könnte eine Bewertung von 2 Billionen Dollar bringen. Der KI-Taktgeber hatte in der letzten Woche sein neues Modell Opus 5.5 lanciert.

Anthropic Börsengang

Die Höhe der Verluste bei Anthropic wurde am 29. September von mehreren Medien eingesehen. Das veröffentlichte Börsenprospekt S‑1, den das Unternehmen bereits im Juni vertraulich bei der SEC eingereicht hatte, zeigt wichtige Kenzahlen:

  • Umsatz 2025: fast 4,6 Mrd. USD (ca. 12‑faches Wachstum zum Vorjahr)
  • Nettoverlust: rund 42 Mrd. USD
  • Operativer Verlust (GAAP): 8,06 Mrd. USD

Die Markterwartungen signalisierten bereits vorher, dass Anthropic trotz extremen Umsatzwachstums noch Verluste macht – die konkreten Zahlen (42 Mrd. USD netto bzw. 8 Mrd. USD operativ) sind aber erst mit dem Prospekt öffentlich geworden.

Der Prospekt zielt auf eine Bewertung von 2 Billionen USD ab, in der letzten privaten Finanzierungsrunde lag die Bewertung bei knapp 1 Billion USD. Auch der Zeitpunkt des IPO bleibe nach wie vor vage. Am Mittwoch wurde von den Börsianern ein wahrscheinlicher IPO-Termin von Oktober bis Ende November 2026 genannt.

Der Prospekt nennt mögliche Abhängigkeit von wenigen Großkunden, existenzielle KI‑Risiken sowie galoppierende Infrastrukturausgaben als wesentliche Risiken.

Das Geschäftsmodell von Anthropic skaliert extrem schnell (ARR im Juli 2026 über 60 Mrd. USD), und die Verluste sollen sich 2026 bereits deutlich reduzieren. Für das dritte Quartal 2026 wird ein EBIT von über 1 Mrd. USD angepeilt.

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

  • Dow Jones Industrial Average: 51.205 Punkte (-0,5 %)
  • S&P 500: 7.660 Punkte (-0,3 %)
  • Rendite 10-jährige US-Staatsanleihen: 5,28 %
  • Conference-Board-Verbrauchervertrauen: 81,9 Punkte
  • Nvidia-Aktienrückkaufprogramm: 150 Mrd. USD Aufstockung

Treffen im Weißen Haus

US-Präsident Donald Trump will am Dienstag im Weißen Haus mit Vertretern der Technologiebranche über die künftige Ausrichtung der Tech-Politik beraten. Ziel des Treffens sei es, ein Gleichgewicht zwischen Innovation und staatlicher Aufsicht zu finden, sagte der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Nach Angaben von Insidern nehmen unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg, Nvidia-Chef Jensen Huang sowie hochrangige Vertreter von OpenAI und Anthropic teil; zudem könnten Google-Chef Sundar Pichai und Tesla-Boss Elon Musk dabei sein.

Einordnung für Anleger

Während steigende Anleiherenditen und ein schwächelndes Verbrauchervertrauen die breite Wall Street spürbar bremsen, beweist der Technologiesektor dank des intakten Halbleiter- und KI-Momentums beachtliche relative Stärke. Ob diese Divergenz jedoch von Dauer ist, hängt maßgeblich davon ab, ob die Zinslast bei Renditen von etwa 5,3 % nicht letztlich auch die hoch bewerteten Tech-Werte wieder stärker unter Druck setzt. Mit der Veröffentlichung der ersten Informationen aus dem Anthropic-IPO-Prospekt kann die KI-Phantasie neuen Schub bekommen.

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Hinweis auf Interessenkonflikte: Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Der Herausgeber hält Aktien der besprochenen Unternehmen: Nvidia, AMD, Netflix. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Autor, Herausgeber oder Mitarbeiter beabsichtigen, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern, und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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