Der Online-Broker Robinhood forciert den Umbau des Wertpapierhandels über Blockchain-Netzwerke und stellt das Modell etablierter Börsen infrage. Durch den Ausbau von 24-Stunden-Handelsmodellen und tokenisierten Aktien verlagern sich Handelsvolumina zunehmend weg von traditionellen Parkett- und elektronischen Handelsplätzen.
Blockchain-Infrastruktur verdrängt traditionelle Handelszeiten
Johann Kerbrat, Leiter des Krypto- und Auslandsgeschäfts bei Robinhood, sieht den traditionellen Börsenhandel vor einem tiefgreifenden Wandel. Außerhalb der regulären Handelszeiten findet laut Kerbrat bereits ein beachtlicher Teil des Volumens über dezentrale Plattformen statt.
Die im Juli gestartete hauseigene Robinhood Chain verzeichnete nach zehn Wochen bereits einen Gesamtwert von über 1,5 Mrd. USD an gesperrtem Kapital (Total Value Locked). Über tokenisierte Wertpapiere ermöglicht das Unternehmen Anlegern den Handel ausgewählter US-Aktien rund um die Uhr sowie an Wochenenden.
Reaktion etablierter Börsen und regulatorische Vorgaben
Traditionelle Handelsplätze wie die New York Stock Exchange und die Nasdaq reagieren auf diesen Vorstoß mit eigenen Projekten für tokenisierte Vermögenswerte. Für den US-Wochenendhandel kooperiert Robinhood vorerst mit dem alternativen Handelssystem Bruce ATS.
In Europa vertreibt das Unternehmen die sogenannten Stock Tokens rechtlich als derivative Schuldverschreibungen unter der MiFID-II-Richtlinie. Parallel dazu treibt Robinhood die Automatisierung voran, wobei KI-Agenten bereits mehr als 100.000 Kundenkonten auf der Plattform steuern.
Die wichtigsten Daten auf einen Blick
- Robinhood Chain TVL: Über 1,5 Mrd. USD nach 10 Wochen
- Handelszeitfenster: Erweiterung auf 24/7 inklusive Wochenenden
- Automatisierte Depots: Über 100.000 Konten über KI-Agenten
- Regulierung Europa: MiFID-II-Derivatekontrakte
Einordnung für Anleger
Mit dem Vorstoß in den blockchainbasierten Rund-um-die-Uhr-Handel setzt Robinhood traditionelle Handelsplätze wie die Nasdaq spürbar unter Innovationsdruck. Entscheidend für den weiteren Erfolg bleibt, wie reibungslos das Fintech das rasante Wachstum seiner Krypto- und Tokenisierungssparte mit den regulatorischen Rahmenbedingungen in Einklang bringt. Mit 78 von 100 Punkten fällt der CP-Score stark aus, getragen von Spitzenwerten bei Wachstum und Marge.
Der Cashflow Profi ist noch nicht investiert, hält jedoch viel von Robinhood und beobachtet den Neobroker weiterhin auf der Watchlist. Ein kurzfristiger Einstieg ist möglich.

