TSMC baut seine Dominanz aus

TSMC hat seine Kursverluste seit Mitte Dezember vollständig egalisiert und notiert inzwischen wieder im Bereich seiner Allzeithochs.

Diese Bewegung wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. In Wahrheit markiert sie den Übergang in eine neue Bewertungsphase, die sich aus einer außergewöhnlichen Verdichtung fundamentaler Faktoren speist.

Die operative Lage des Konzerns ist heute stärker als je zuvor. TSMC ist dabei, in eine höhere Ertragsstufe hineinzuwachsen. Genau dieser Prozess beginnt sich nun sichtbar im Kurs niederzuschlagen.

Diese Entwicklung ist auf die seltene Überlagerung von technologischer Überlegenheit, struktureller Marktmacht und einem Nachfragezyklus im KI-Infrastrukturbereich zurückzuführen, der sich über viele Jahre erstreckt.

Die neue Architektur der Marktmacht

TSMCs Dominanz entsteht nicht mehr nur aus technologischer Führerschaft, sondern aus ökonomischer Unumkehrbarkeit. Die Designkosten moderner Chips sind auf ein Niveau gestiegen, das den Wechsel des Fertigungspartners faktisch unmöglich macht. 

Ein einzelnes 3-nm-Design kostet heute rund 590 Mio. USD und bindet Entwicklungsressourcen über 18 bis 24 Monate. Diese Kapitalbindung verwandelt Kundenbeziehungen in ökonomische Abhängigkeiten und gibt TSMC eine Preissetzungsmacht, wie sie in dieser Branche bislang nicht existierte.

Hinzu kommt die strukturelle Verschiebung des Umsatzmix. Rund drei Viertel der Waferumsätze stammen inzwischen aus Fertigungsstufen von sieben Nanometern und kleiner (siehe Chart unten). In diesem Segment existiert keine echte Konkurrenz.

Samsung kämpft weiterhin mit Ausbeuteproblemen, Intel Foundry bleibt operativ Jahre zurück, und GlobalFoundries hat den Wettbewerb um die Spitzenfertigung aufgegeben. Der Markt ist damit in einem Zustand der funktionalen Monopolisierung angekommen, ohne formales Monopol zu sein.

Der eigentliche Ertragsanker ist die globale KI-Infrastrukturwelle

Was in der aktuellen Diskussion häufig zu kurz kommt, ist die Tiefe und Stabilität des Nachfragezyklus, auf dem TSMCs Wachstum basiert. Der Kern der Investitionsdynamik liegt bei den großen Hyperscalern und Plattformkonzernen.

Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta bauen ihre KI-Infrastruktur mit einer Kapitalintensität aus, die in der Geschichte der Technologiebranche ohne Beispiel ist. Die relevanten Investitionspläne erstrecken sich über viele Jahre.

Diese Unternehmen befinden sich in einem strategischen Wettrüsten. Jeder Ausbau eines Rechenzentrums, jedes neue KI-Modell und jede Erhöhung der Rechenleistung zwingt zu weiteren Investitionen in modernste Halbleiter. TSMC ist dabei ein systemkritischer Engpass. Ohne TSMC kommt keine dieser Expansionsstrategien voran.

Genau hier entsteht der langfristige Ertragsschutz. Selbst in einem zyklischen Abschwung der Konsumwirtschaft bleiben diese Infrastrukturinvestitionen weitgehend unangetastet, weil sie über Marktanteile, Wettbewerbsvorteile und strategische Dominanz entscheiden. Für TSMC bedeutet das eine außergewöhnlich stabile Nachfragebasis, die weit weniger konjunkturabhängig ist als frühere Chipzyklen.

Dieser mehrjährige Investitionszyklus ist der unsichtbare Boden unter der gesamten Investmentthese. Er erklärt, warum die aktuellen Margenhebel Teil eines strukturellen Wachstumspfades sind, der sich bis weit in die zweite Hälfte des Jahrzehnts erstreckt.

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