Alphabet: Jetzt einsteigen?

Alphabet

Alphabet legte überzeugende Quartalszahlen vor. Trotzdem büßte die Aktie nach der Veröffentlichung mit rund 8 % deutlich ein.

Offensichtlich waren nach der vorangegangenen Kursrally bereits viele positive Erwartungen eingepreist. Der Rücksetzer war daher teilweise eine gesunde Reaktion auf eine zuvor ambitionierte Bewertung.

Doch wie sieht es nach dem Rücksetzer aus?

Hinweis: Wenn Du eine weitere Premium-Analyse zum Chipsektor und meinen Chip-Favoriten erhalten willst, dann melde dich hier hier kostenlos für den Newsletter von Cashflow Profi an.

Google Cloud wird zum zweiten Gewinnmotor

Der Umsatz stieg um 24 % auf knapp 120 Mrd. USD und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich sogar auf 9,11 USD und damit um fast 300 %.

Ein großer Teil dieses Anstiegs stammt allerdings aus Buchgewinnen auf Beteiligungen, vermutlich vor allem an Anthropic und SpaceX. Bereinigt um diesen Sondereffekt lag der Gewinn je Aktie bei etwa 2,85 USD und damit im Rahmen der Erwartungen.

Das herausragende Segment war erneut Google Cloud. Der Umsatz stieg um 82 % auf knapp 25 Mrd. USD. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge auf mehr als 35 %.

Das ist für mich der wichtigste Punkt des gesamten Quartals. Google Cloud ist längst nicht mehr nur ein schnell wachsender Umsatzbringer. Das Segment entwickelt sich zunehmend zu einem zweiten Gewinnmotor neben dem klassischen Werbegeschäft.

Auch der Auftragsbestand von mehr als 500 Mrd. USD zeigt, wie hoch die Nachfrage nach Rechenleistung, KI-Infrastruktur und Unternehmenslösungen derzeit ist. Alphabet verfügt mit seinen eigenen TPUs, Gemini und der weltweiten Cloud-Infrastruktur über eine hervorragende Ausgangsposition, um von diesem Trend zu profitieren.

Der Vorteil gegenüber vielen kleineren KI-Anbietern liegt in der Kombination aus eigener Infrastruktur, großen Datenbeständen, Milliarden Nutzern und enormer finanzieller Stärke. Alphabet muss seine KI-Produkte nicht sofort maximal monetarisieren, sondern kann sie schrittweise in Search, YouTube, Workspace und Cloud integrieren.

Search bleibt stark, aber nicht unangreifbar

Das klassische Suchgeschäft wuchs weiterhin zweistellig (+17 %), fiel jedoch weniger dynamisch aus als bei Google Cloud.

Das ist nicht automatisch ein Warnsignal. Search ist inzwischen ein sehr großes und reifes Geschäft. Gleichzeitig steht Google hier vor der größten strategischen Veränderung seit vielen Jahren. Immer mehr Nutzer stellen ihre Fragen direkt an KI-Assistenten, statt mehrere Internetseiten über eine klassische Suchmaschine aufzurufen.

Alphabet reagiert darauf mit KI-generierten Antworten und einer stärkeren Integration von Gemini in die Suche. Die entscheidende Frage lautet, ob Google diese neue Form der Suche ebenso profitabel monetarisieren kann wie die bisherigen Werbeanzeigen.

Kurzfristig entstehen dadurch Risiken. KI-Antworten verursachen höhere Rechenkosten. Gleichzeitig könnten sie die Zahl der klassischen Suchanfragen und Klicks reduzieren. Wettbewerber wie OpenAI, Anthropic und Perplexity erhöhen zudem den Innovationsdruck.

Google besitzt jedoch weiterhin enorme Vorteile. Dazu gehören die weltweite Verbreitung der Suchmaschine, Android, Chrome, YouTube und eine bestehende Werbeplattform mit Millionen Unternehmenskunden. Alphabet muss daher nicht zwingend verhindern, dass sich die Suche verändert. Das Unternehmen muss es schaffen, diese Veränderung selbst anzuführen. Und das tut es bisher.

Die Investitionen erreichen eine neue Dimension

Der größte Kritikpunkt an den Zahlen sind die stark steigenden Investitionsausgaben. Alphabet erhöhte die Prognose für 2026 auf 195 bis 205 Mrd. USD. Das Geld fließt vor allem in Rechenzentren, Server, eigene KI-Chips, Netzwerke und zusätzliche Cloud-Kapazitäten.

Im zweiten Quartal investierte Alphabet rund 45 Mrd. USD. Dadurch rutschte der freie Cashflow erstmals seit langer Zeit in den negativen Bereich.

Diese Entwicklung sollte man nicht verharmlosen. Alphabet muss in den kommenden Jahren beweisen, dass die hohen Ausgaben auch zu entsprechend steigenden Umsätzen und Gewinnen führen. Sollte sich die Nachfrage nach KI-Rechenleistung abschwächen oder der Preisdruck im Cloud-Geschäft zunehmen, könnten sich Teile der Investitionen später als zu aggressiv herausstellen.

Aktuell deutet jedoch wenig auf Überkapazitäten hin. Vielmehr erklärt das Management, dass die vorhandenen Kapazitäten weiterhin nicht ausreichen, um die gesamte Nachfrage zu bedienen. Das kräftige Cloud-Wachstum und der hohe Auftragsbestand stützen diese Aussage.

Hinzu kommt die außergewöhnlich solide Bilanz. Alphabet verfügt über mehr als 240 Mrd. USD an liquiden Mitteln und Wertpapieren und kann den Ausbau daher aus eigener Kraft finanzieren. Die steigenden Investitionen belasten den kurzfristigen freien Cashflow, gefährden jedoch nicht die finanzielle Stabilität des Konzerns.

Die Bewertung ist wieder angemessen

Einige Kommentatoren bewerten Alphabet nach den Zahlen mit einem erwarteten KGV von nur rund 16. Diese Rechnung ist jedoch irreführend, weil sie die hohen Buchgewinne auf Beteiligungen einbezieht.

Auf Basis der operativ aussagekräftigeren Gewinnschätzungen für 2027 liegt das KGV eher bei rund 21. Damit ist Alphabet nicht spottbillig. Für ein Unternehmen mit zweistelligem Umsatzwachstum, einem rasant wachsenden Cloud-Geschäft und einer führenden Position bei künstlicher Intelligenz halte ich diese Bewertung jedoch für angemessen.

Vor den Zahlen war die Aktie aus meiner Sicht etwas zu weit gelaufen. Der anschließende Abverkauf fiel dagegen ebenfalls übertrieben aus. Nach dieser Bereinigung stehen Bewertung und Wachstum wieder in einem vernünftigen Verhältnis.

Ich bestätige meine Kaufeinstufung für Alphabet. Investierte können die Gewichtung der Position leicht erhöhen. Neueinsteiger eröffnen auf dem aktuellen Niveau eine erste Position.

Weiterführende Artikel:

Hinweis auf Interessenkonflikte: Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens: Alphabet. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Autor, Herausgeber oder Mitarbeiter beabsichtigen, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern, und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

Newsletter abonnieren

Teilen

Schreibe einen Kommentar