6 Regeln für gesunde Dividenden

6 Regeln für gesunde Dividenden

Dividenden sind zurecht bei den Anlegern beliebt. Sie ermöglichen uns Aktionären, sich direkt an den Unternehmensgewinnen zu beteiligen. Dennoch beobachte ich seit einigen Jahren eine ungesunde Tendenz in der Anlegerszene. Hierbei wird die Dividende zum entscheidenden Kriterium für die Auswahl der Aktien gemacht.

Christian W. Röhl – seines Zeichens einer der profiliertesten deutschen Dividendenexperten – spricht an dieser Stelle zurecht vom DividendenfetischismusDass dies gefährlich ist und zu enttäuschenden Ergebnissen führen kann, habe ich bereits im Rahmen des Blog-Artikels „Dividenden als Anlegerfalle“ thematisiert. 

In diesem Artikel möchte ich dir daher zeigen, wie du Dividendentitel mit Substanz findest, die für eine gesunde und nachhaltige Rendite in deinem Depot sorgen können. 

Bevor wir ins Detail gehen, möchte ich dich auf unseren kostenfreien Dividenden-Report aufmerksam machen, in welchem wir 5 spannende Dividenden-Aktien vorstellen.

Regel 1: Starke Fundamentaldaten

An erster Stelle steht für mich immer die allgemeine fundamentale Verfassung des Unternehmens. Ich präferiere Titel mit einer dominanten Marktposition, solidem Wachstum, überdurchschnittlichen Margen sowie gesunder Bilanz und Liquidität.

Regel 2: Stabile Dividendenhistorie

Danach schaue ich auf eine stabile Dividendenhistorie. Ich achte dabei, dass das Unternehmen in einem Zeitraum von mindestens 10 Jahren, beziehungsweise seit Beginn der Ausschüttung (falls dieser in der jüngeren Vergangenheit liegt), seine Dividende trotz Krisen oder Rezessionen nicht gekürzt oder gestrichen hat.

Regel 3: Nachhaltige Dividendensteigerungen

Neben der stabilen Historie sind auch die jährlichen Dividendenerhöhungen von hoher Bedeutung. Dabei sollten diese in einem gesunden Verhältnis zum Gewinn- und Cashflow-Wachstum des Unternehmens stehen.

Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf den Free Cashflow, also die liquiden Mittel, die für Ausschüttungen tatsächlich zur Verfügung stehen. Wenn die Dividenden nicht schneller gesteigert werden, als der Free Cashflow, dann handelt es sich in der Regel um gesunde Ausschüttungen. Andernfalls steigt gerade bei etablierten Unternehmen die Wahrscheinlichkeit der Dividendenkürzung oder -streichung.

Regel 4: Effektive Ausschüttungsquote 

Bei der Beurteilung der Dividende behalte ich auch das künftige Wachstumspotenzial und die Ausschüttungsquote – also den Anteil der Dividenden am Nettogewinn – im Blick.

Wenn ein Unternehmen sich in einer dynamischen Wachstumsphase befindet – die jährlichen Steigerungen der Einnahmen liegen bei 10 % oder höher – dann sollte es einen beträchtlichen Teil der Gewinne in sein Wachstum stecken. Eine Ausschüttungsquote zwischen 25 bis maximal 50 % sehe ich in diesem Fall als gesund an.

Agiert ein Unternehmen dagegen in einem gesättigten Markt mit geringen Wachstumsaussichten, dann erachte ich eine Ausschüttungsquote zwischen 50 und 80 % für angebracht.

Regel 5: Überdurchschnittliche Dividendenrendite im Branchenvergleich

Für mich ist das jährliche Dividendenwachstum wichtiger als die prozentuale Dividendenrendite. Unabhängig von der absoluten Rendite, steigt die relative Rendite – bezogen auf den Einstandskurs – zusammen mit den annualisierten Dividendensteigerungen. 

Gerade bei etablierten Unternehmen, die in einem gesättigten Markt aktiv sind, ist jedoch eine überdurchschnittliche Dividendenrendite von Vorteil. Je mehr das Unternehmen in so einem Fall ausschüttet, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlinvestitionen und Fehlallokationen des Kapitals. 

Sollte die Rendite deutlich unter oder über dem Branchendurchschnitt liegen, dann ist zu prüfen, ob das Unternehmen sein Kapital effizient allokiert.

Regel 6: Effiziente Kapitalallokation

Um zu beurteilen, ob das Management des Unternehmens die richtige Dividendenpolitik verfolgt und sein Kapital richtig einsetzt, nutze ich die goldene Regel von Warren Buffett. Hierbei wird geprüft, ob das Unternehmen in den vergangenen 5 Jahren pro einbehaltene Geldeinheit (also USD, EUR, etc.), mindestens die gleiche Geldeinheit an Marktwert geschaffen hat.

Beispiel Microsoft: Kleine Dividende, große Wertsteigerung

Schauen wir uns als Beispiel Microsoft an. Das Unternehmen hat einen großen Burggraben in der Softwarebranche, überzeugt durch dicke Margen, überdurchschnittliches Wachstum und eine gesunde Bilanz.

Der Software-Gigant hat seine Dividende seit Beginn der Ausschüttung im Jahr 2003 stabil gehalten und mit Ausnahme des Jahres 2010 jedes Jahr angehoben. Im 5-Jahres-Zeitraum betrug das Wachstum des Free Cashflows 15,7 % pro Jahr, während die Dividenden um 9,7 % pro anno wuchsen.

Die Ausschüttungsquote von Microsoft lag in den vergangenen 5 Geschäftsjahren im Schnitt bei rund 40 %. Angesichts der Tatsache, dass Microsoft im gleichen Zeitraum um rund 16 % beim Umsatz zulegte, ist dies ein gesunder Wert.

Die Dividendenrendite liegt derzeit bei 0,8 %. Das ist auf den ersten Blick ausbaufähig. Um zu verstehen, ob Microsoft sein Kapital effizient allokiert, wenden wir daher die Regel von Warren Buffett auf die Aktie an.

Auf 5-Jahres-Sicht (seit 29. Juni 2018) hat Microsoft einen Gewinn pro Aktie von 34,35 USD erzielt und eine Dividende pro Aktie von 11,06 USD ausgeschüttet. Die Differenz davon – also 23,29 USD  –  hat der US-Konzern folglich einbehalten. Vor genau 5 Jahren notierte die Aktie bei knapp 100 USD, aktuell kostet das Papier 335 USD. Daraus folgt, das Microsoft pro einbehaltenen USD über 10 USD (225/23,29 = 10,1) an Börsenwert gewonnen hat. Das spricht für eine sehr effiziente Kapitalallokation.

Beispiel Coca-Cola: Ein Klassiker unter Dividendenzahlern

Betrachten wir nun Coca-Cola – ein klassischer Dividendenwert, mit dem Warren Buffett reich geworden ist. Auch der Softdrink-Produzent glänzt mit einer soliden Bilanz überdurchschnittlichen Margen und einer starken Marktstellung. Das Unternehmen wächst deutlich schwächer als Microsoft (CAGR von 4 % seit 2017), überzeugt dafür mit einer höheren Dividendenrendite von soliden 3,0 %.

Coca-Cola ist ein Dividendenaristokrat, der seit mehr als 60 Jahren seine Dividende ohne Unterbrechung angehoben hat. In den vergangenen 5 Geschäftsjahren hat der US-Konzern ein durchschnittliches Wachstum des Free Cashflows von 12 % erzielt und seine Dividende um 4 % pro Jahr pro angehoben.

An dieser Stelle fragt man sich als Anleger, ob Coca-Cola angesichts des deutlich stärkeren Cashflow-Wachstums vielleicht nicht zu wenig ausgeschüttet hat. Die Anwendung von Buffetts Regel zeigt jedoch, dass auch der Softdrink-Gigant sein Kapital effizient einsetzt. Das liegt unter anderem an den regelmäßigen Aktienrückkäufen, die als zusätzlicher Kurstreiber des Unternehmens dienen und den Shareholder Value über die Jahre hinweg steigern.

Fazit: 6 Regeln für gesunde Dividenden

Bei der Auswahl von Dividendenaktien sollten wir uns als Anleger in erster Linie auf starke Fundamentaldaten, solides Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Wachstum, Dividendenhistorie mit stabilen und steigenden Ausschüttungen, ausgewogene Ausschüttungsquote, überdurchschnittliche Dividendenrendite sowie effiziente Kapitalallokation achten. Investoren, die diese Regeln beachten, werden langfristig zu den klaren Gewinnern an der Börse gehören.

Wenn du mehr interessante Dividenden-Aktien kennenlernen möchtest, dann hole dir jetzt unseren kostenfreien Dividenden-Report.

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Hinweis auf Interessenskonflikte

Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens: IBM. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Autor, Herausgeber oder Mitarbeiter beabsichtigen, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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